Neue ZVABlog Kolumne

Deon Meyer im Interviewn
© Renate Schlicht
Deon Meyer im Interview

Edgar Allan Poe

Edgar Allan Poe

Henning Mankell

Henning Mankell

Arthur Conan Doyle

Arthur Conan Doyle<
 

Krimi
Schatzkammer

Kaum ein literarisches Genre erfreut sich so steter Beliebtheit bei Lesern wie der Kriminalroman. Daran können auch regelmäßige Versuche nichts ändern, den Krimi als seichte Unterhaltung zu diskreditieren. Vielmehr setzt sich inzwischen die Ansicht durch, dass sich spannende Unterhaltung und literarischer Anspruch nicht gegenseitig ausschließen müssen. Namhafte Literaten wie Bertolt Brecht waren bekennende Krimifans, Friedrich Dürrenmatt und Theodor Fontane haben Ausflüge in das Genre unternommen. Erleben / Entdecken Sie in der ZVAB Krimischatzkammer Mord und Totschlag, Ermittler und Verbrecher und Krimis aus allen Zeiten und aller Herren Länder.

Das ZVAB wünscht Ihnen spannende Unterhaltung und ein mörderisches Vergnügen beim Stöbern!

Agatha Christie

Agatha Christie
Agatha Christie
Seinen ersten großen Auftritt hat die Figur des belgischen Detektivs Hercule Poirot in Agatha Christies erstem, 1921 erschienenen Roman "Das fehlende Glied in der Kette". Jedoch wird er den Lesern als zweifelhafter Held vorgestellt: "Poirot war ein kleiner Mann von ungewöhnlichem Aussehen. Er war knapp einen Meter sechzig groß, aber seine Haltung verriet Würde. Sein Kopf hatte die Form eines Eies, und er neigte ihn stets ein wenig zur Seite. Sein Schnurrbart war mit militärischer Strenge steif gezwirbelt. Seine Erscheinung war von geradezu unglaublicher Korrektheit, wahrscheinlich hätte ihm ein Staubkorn mehr Unbehagen verursacht als eine Schusswunde." Entsprechend pedantisch geht Poirot bei seinen kriminologischen Ermittlungen vor, die er in den folgenden 54 Jahren zu leisten hat. Die Erkenntnisse, die er aus seinen genauen Beobachtungen zieht, werden den Lesern jedoch nur stückenweise mitgeteilt - so schränkt er an einer Stelle ein: "Nein, den sechsten Punkt werde ich vorläufig für mich behalten." Mit dieser erzählerischen Taktik wurde Christie zur Meisterin der Spannung in ihrem Genre. Poirots bekannteste Fälle sind unter anderem "Mord im Orient-Express" und das 1978 mit Peter Ustinov, Mia Farrow und Bette Davis verfilmte "Der Tod auf dem Nil". Auch hier kommt die Auflösung als überraschende Pointe, die jenseits aller zuvor möglich scheinenden Tathergänge liegt. 1930 erfand Christie eine weitere Ermittlerin: Miss Marple, eine alte Dame, die im ländlichen England Verbrechen aufklärt und den Dorfpolizisten durch ihren analytischen Verstand überlegen ist. Motive und Anregungen für ihre Plots und Protagonisten bezog die Autorin aus ihrem Privatleben; wie einige ihrer Figuren arbeitete sie während des ersten Weltkrieges in einer Apotheke, wo sie sich Wissen über Gifte aneignete, fuhr mit dem legendären Orient-Express und begleitete ihren zweiten Mann, einen Professor der Archäologie, auf seinen Forschungsreisen in den Nahen Osten. Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren in England. (Zitat aus: Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette. Scherz Verlag)

Raymond Chandler

Raymond Chandler
Raymond Chandler
Das Aufbauen von Suspense, eines über einen ganzen Roman oder Film anhaltenden Spannungsbogens, ist der Schlüssel zum Erfolg der Geschichten Raymond Chandlers. Er gilt als Begründer der neuen Schule des amerikanischen Kriminalromans. Nachdem Chandler zunächst die verschiedensten Berufe ausgeübt hatte (vom Lehrer und Redakteur über den Dienst für die britische Marine bis zum Direktor einer Ölgesellschaft) wurde er schließlich hauptberuflich Schriftsteller und ging 1943 nach Hollywood, wo er sich auf das Verfassen von Drehbüchern konzentrierte. Er war zum Beispiel am Drehbuch für "Der Fremde im Zug" beteiligt, das Alfred Hitchcock nach einem Roman von Patricia Highsmith verfilmte. Chandlers eigene Romane dienten unter anderem den Filmen "Tote schlafen besser" (im Original "The Big Sleep") und "Der Tod kennt keine Wiederkehr" ("The Long Good-bye") als Romanvorlage. In seinen Erzählungen ermittelt meist der melancholische und sarkastische Privatdetektiv Philip Marlowe nach Cowboy-Manier, als einsamer Held in einer korrupten Gesellschaft. Hinter seiner kühlen und unnahbaren Fassade steckt in Wirklichkeit ein Moralist und Sozialkritiker. Bei seiner Arbeit gerät der Detektiv oft tief in die Sphären von Gewalt und Kriminalität und muss selbst Einiges einstecken. Seine Ironie, bisweilen an Zynismus grenzend, hilft ihm dabei. So wacht er, nachdem er von einem mysteriösen Unbekannten zusammengeschlagen wurde, in einem fremden Apartment auf: "Ich roch nach Gin. Nicht bloß so, als hätte ich vier oder fünf Drinks an einem Wintermorgen gekippt, um besser aus den Federn zu kommen. Sondern so, als ob der Pazifische Ozean aus purem Gin bestünde und ich gerade einen Kopfsprung von einem Schiff hinein gemacht hätte." In diesem Moment fällt sein Blick auf ein Werbeplakat an der Wand, das ein Idyll von einem Strand im Sonnenschein zeigt: "Quer über die Stirnseite des Bildes war in großen Druckbuchstaben zu lesen: LERNEN SIE DIE FRANZÖSISCHE RIVIERA MIT DEM BLUETRAIN KENNEN! - Es war der rechte Spruch zur rechten Zeit. Ich richtete mich mühsam auf und betastete meinen Hinterkopf. Er fühlte sich wie Brei an." Die Realität, die Chandler zeichnet, ist das Gegenteil von Kitsch, unerbittliche Gewalt entlarvt jeden Optimismus als weltfremde Naivität. In dieser Welt gibt es zwar wenig Grund zur Hoffnung, aber immer genug Anlässe zum Ermitteln. (Zitate aus: Raymond Chandler: Die Tote im See. Diogenes)